Spanischer Wein

Spanischer Wein. Puenta de la Reina – Estella, Tag 7

 

Worauf ich mich heute freue / oder / Was ich heute wirklich nötig habe:

Ich freue mich, dass ich mich nicht so abhetzen muss. Das nächste Bett ist safe. Es geht in eine Jugendherberge in ein Vier-Bett Zimmer. Unsere Reisegruppe wurde gestern Abend auf vier Leute aufgestockt. Nun sind wir sogar multilingual unterwegs, denn Nummer Vier kommt aus Neuseeland.

Wie ich heute mein Fußfaultier überliste/überlistet habe:

Ich fühle mich erholt, den Füßen gehts etwas besser. Ich merke wie mir etwas Stress entfällt – unter anderem durch die Reservierung. Und mit „neuen Freunden“ geht es sich noch viel leichter.

 

Heute geht es wieder etwas entspannter voran. Die Etappe ist „nur“ 23,6 km lang, das Bett für die kommende Nacht ist safe. Und man hat Leute um sich, die man mag. Um 7 geht es zum Frühstück, gegen halb/viertel vor 8 gehts dann los. Ohman gestern waren wir um dise Zeit schon seit einer Stunde unterwegs. Aber heute ist das alles egal 🙂

Adios Puenta de la Reina, mein kleines Ü-Ei ;D Ü-Ei wegen der zunächst herben Enttäuschung an der Herberge, die sich dann aber komplett um 180 Grad gedreht hat.

Die Sonne geht auf und wir los. Natürlich erwartet uns wieder ein Anstieg. Eigentlich sollte es doch nur noch runter gehen. Nun denn, wir sind hart im Nehmen. 💪

Nach dem Anstieg führt der Weg ein wenig neben der Straße entlang. Danach gehts runter durch ein Dörfchen. Eine alte Bekannte aus einer vorherigen Herberge, auch Deutsche, treffe ich auf dem Abschnitt wieder. Mit ihr gehe ich ein Stück. Der Camino führt hinunter auf Feldwege entlang von Weinfeldern. Traumhaft. 🍇

Ich sehe zahlreiche Pilger, die sich eine kleine Weinrebe schnappen und verzehren. Ich würde mich das so gar nicht trauen, aber meine Begleitung ermutigt mich „Die schmecken lecker!“ Sie kennt das alles schon, es ist nicht ihr erster Besuch auf dem Camino. Und so friemel ich mir eine Rebe ab. Und esse sie die nächsten paar Kilometer.

Einfach nur lecker. Ich glaube so gute Weintrauben habe ich noch nie in meinem Leben gegessen. „So saftig süüüüüß.“ Neben den Weinfeldern wachsen hier auch eine Menge Olivenbäume. Ich habe sie sofort erkannt, da ich selber mal einen zuhause hatte. Irgendwann mal bei Edeka erworben, leider hat das Bäumchen nicht lange überlebt 😑😢

Nach den Feldern durchqueren wir den kleinen Ort „Cirauqui“. Eine alte Römerstraße führt aus dem Ort hinaus über eine halb zerfallene römische Brücke.

wp-image-1502713356

wp-image-158920191

Nach einer kurzen Rast hinter dem Ort, wird uns nun die Autobahn immer wieder begegnen. Aber zum Glück sind die Abschnitte, wo man direkt neben dieser einhergeht kurz gehalten. Meistens kann man sie zwar sehen, aber nicht hören. Wobei ich höre gerade sowieso nichts. Heute begleiten mich Gun’s’Roses mit fast voller Lautstärke. Mir war so danach. Ein fast magischer Moment entwickelte sich als ich November Rain hörte und sich vor mir die Weinfelder erstreckten. Die Sonne strahlt und ich fühl mich einfach nur glücklich und frei. Oh ist das kitschig 😏😋

Besonders cool ist eine kleine Raststelle am Rande der Römerstraße. Hier hat jemand eine Chill Out Zone für Pilgerer aufgebaut. Zwischen Olivenbäumen stehen Bänke zur Verfügung und ich sehe sogar ein Bücherregal. Verpflegung gibts auch und sogar Wifi (!)

Irgendwie wäre ich gerne etwas da geblieben, aber ich wollte meine letzte Gefährtin nicht auch noch völlig verlieren. Immerhin lagen noch einige Kilometer vor uns. Das sind die Momente, wo es besser wäre völlig alleine und losgelöst den Camino zu gehen. Aber bisher halten sich diese Moment in Grenzen. Einige Abschnitte gehen wir auch schon getrennt. Manchmal mit einem Kilometer Vorsprung. Aber nie so, das man Stunden voneinander getrennt wäre.

Erwähnen muss man aber auch. Man ist hier nie alleine. Gerade sind wirklich viele Leute unterwegs. Teils sieht man nur vereinzelte Menschen oder vereinzelte Zweiergespanne und dann kommt wieder eine Welle an Menschen. Ich hörte das liege daran, das viele mit uns am gleichen Tag gestartet sind (andere haben wohl abgewartet bis das schlechte Wetter in St. Jean Pied de Port vorbei war und wir waren eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort) So kam es auch zur „neuen deutschen Welle“, ungewöhnlicherweise sind mit uns zeitgleich viele Deutsche oder deutschsprachige unterwegs, aber das sei nicht die Norm.

Nach dem Örtchen Lorca geht es dann vermehrt in die staubige Gegend dieser Etappe. Aber sogar diese hat ihren Charm. Vor mir liegt die Stadt Villatuerta. Meine Freundin ist mal vor und mal hinter mir – jeder für sich in der Ödnis.

Ab Villatuerta gehen wir wieder gemeinsam und machen eine Rast. Fußgymnastik wird etabliert. So stehen wir mit nackten Füßen auf dem kalten, steinernden Fußweg und zappeln herum wie im Aerobickurs 😁 Das hat Spaß gemacht, aber die Füße wollten das so. Man merkt es einfach. Es beginnt zu Schmerzen, die Füße werden platt und dampfen – das aber nur metaphorisch 🤔 Zum Glück sind wir uns da ähnlich vom Rhytmus. Positiver Nebeneffekt: Einige Mitpilger konnten wir mit unserer Sport-Einlage erfreuen.

Und endlich mal wieder ein Schild, wie weit es noch bis Saniago ist 🤘💪 Über staubige Wege und mit guten Gesprächen geht es dann die restlichen 4-5 km nach Estella. In der Herberge wartet schon unsere Neuseeländerin auf uns. Unser Hahn im Korb war uns weit voraus, ist leider zur weit gelaufen und musste wieder umkehren.

Schließlich waren wir wieder alle vereint und gingen Abends erstmal schön eine Pizza spachteln 🙂 Vom Pilgermenü haben wir gerade genug. Es schmeckt zwar meistens, aber oftmals kann man für den gleichen oder einen ähnlichen Preis qualitativ, besseres Essen bekommen. Eigentlich sollten es Tapas werden, aber das bot sich nirgends an. Egal zum Italiener in Spanien ist auch nicht schlecht.

Estella hat mich wirklich überrascht. Der Ort ist gar nicht so klein wie zuvor erwartet. Ich habe mich aber auch nicht schlau gemacht… Es ist wirklich schön hier. Es gibt sogar einen Park nahe dem Wasser. Und einen Lidl, aber der hat leider Sonntags geschlossen 😢

👣-👣-👣

Erkenntis? Geklaute Weintrauben vom Feld sind der Hammer. Vielleicht liegt es am unterbewussten Nervenkitzel, wobei da eigentlich keiner ist 😂 Ist ja nicht so das man über Zäune klettern müsste.

Ich merke ich kann auch gut mit mir allein sein. Das ist eigentlich nie so mein Ding, bin ein totaler Mitläufer. Aber gut zu wissen, dass es doch geht.

Bilanz: Keine Blasen, aber meine Füße sterben langsam ab. Die Salbe ist totaler Mist, sagt auch meine Bekanntschaft aus Neuseeland, die ist angehende Ärztin. Die Pizza war super.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s